
Hüftdysplasie bei Hund und Katze – Ursachen, Diagnose und Behandlung
Die Hüftdysplasie ist eine relativ häufigste orthopädischen Erkrankungen bei Hunden und kommt – wenn auch seltener – auch bei Katzen vor. Sie kann zu Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und langfristig zu Arthrose führen. Für Tierhalter ist es wichtig zu verstehen, wie die Erkrankung entsteht, wie sie diagnostiziert wird und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
Was ist Hüftdysplasie?
Bei der Hüftdysplasie handelt es sich um eine Fehlentwicklung des Hüftgelenks. Der Oberschenkelkopf passt dabei nicht optimal in die Hüftpfanne. Diese Instabilität führt zu einer ungleichmäßigen Belastung des Gelenks, was im Laufe der Zeit Entzündungen und Gelenkverschleiß (Arthrose) verursacht (Smith et al., 2012).
Ursachen der Hüftdysplasie
- Genetische Faktoren: Die Hüftdysplasie ist stark genetisch bedingt, insbesondere bei mittelgroßen und großen Hunderassen wie Deutschem Schäferhund, Labrador Retriever oder Golden Retriever (Ginja et al., 2015). Auch bei Katzen wird eine genetische Veranlagung diskutiert, vor allem bei Maine Coons (Keller et al., 2018).
- Umwelt- und Wachstumsfaktoren: Neben der Veranlagung beeinflussen weitere Faktoren die Entwicklung der Erkrankung:
- schnelles Wachstum im Junghundealter
- Übergewicht
- falsche oder übermässige Belastung in der Wachstumsphase
- unausgewogene Ernährung
Diese Faktoren können die Ausprägung der Hüftdysplasie verstärken (Smith et al., 2012).
Welche Symptome zeigen betroffene Tiere?
Die Anzeichen können sehr unterschiedlich sein und hängen vom Schweregrad ab:
- Schwierigkeiten beim Aufstehen oder Hinlegen
- Lahmheit der Hintergliedmaßen
- verminderte Bewegungsfreude
- „Hasenhüpfen“ beim Laufen (v. a. beim Hund)
- Schmerzen bei Hüftbewegungen
Bei Katzen sind die Symptome oft subtiler und äussern sich z. B. durch reduzierte Sprungfreude oder vermehrtes Ruhen (Keller et al., 2018).
Wie wird Hüftdysplasie diagnostiziert?
- Klinische Untersuchung: Die Tierärztin oder der Tierarzt beurteilt Gangbild, Beweglichkeit und Schmerzreaktionen der Hüftgelenke. Spezielle Tests können auf eine Gelenkinstabilität hinweisen (Ginja et al., 2015).
- Röntgenuntersuchung: Die Röntgendiagnostik ist der Goldstandard zur Diagnose der Hüftdysplasie. Sie ermöglicht die Beurteilung der Gelenkform, der Gelenkpassung und bereits vorhandener Arthrose. Für aussagekräftige Bilder ist häufig eine Sedierung notwendig (Thrall, 2018).
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung richtet sich nach Alter, Schweregrad der Erkrankung und den Beschwerden des Tieres.
- Konservative (nicht-operative) Therapie
Diese ist vor allem bei milden bis moderaten Fällen sinnvoll: Gewichtsmanagement, angepasste Bewegung (z. B. kontrollierte Spaziergänge, Schwimmen), Schmerz- und Entzündungsmedikamente, Physiotherapie, Nahrungsergänzungsmittel zur Gelenkunterstützung.
Studien zeigen, dass eine konsequente konservative Therapie die Lebensqualität deutlich verbessern kann (Johnston, 2017).
- Operative Behandlung
Bei schweren Fällen oder jungen Tieren mit ausgeprägter Instabilität können chirurgische Eingriffe sinnvoll sein, zum Beispiel: Beckenosteotomien, FHO - Osteotomie des Femurkopfes und -halses, THP - Hüftgelenksersatz (künstliches Hüftgelenk)
Fazit
Die Hüftdysplasie ist eine häufige, aber gut erforschte Erkrankung bei Hund und Katze. Dank moderner Diagnostik und vielfältiger Behandlungsmöglichkeiten können viele betroffene Tiere heute ein schmerzarmes und aktives Leben führen. Eine frühzeitige Diagnose und individuell angepasste Therapie sind dabei entscheidend.
Wenn Sie bei Ihrem Tier Anzeichen von Bewegungsproblemen bemerken, sprechen Sie frühzeitig mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt.
Referenzen:
- Smith GK et al. Pathogenesis, diagnosis, and control of canine hip dysplasia. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice, 2012.
- Ginja MM et al. Diagnosis, genetic control and preventive management of canine hip dysplasia. Veterinary Journal, 2015.
- Keller GG et al. Hip dysplasia in cats: prevalence and clinical features. Journal of Feline Medicine and Surgery, 2018.
- Johnston SA. Conservative management of hip dysplasia. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice, 2017.
- Bergh MS et al. Total hip replacement in dogs: outcomes and complications. Veterinary Surgery, 2014.
- Thrall DE. Textbook of Veterinary Diagnostic Radiology. 7. Auflage, Elsevier, 2018.