
Röntgenuntersuchungen gehören zu den wichtigsten Diagnoseverfahren in der Tiermedizin. Sie helfen dabei, Knochenbrüche, Erkrankungen von Herz und Lunge, Probleme im Bauchraum oder Fremdkörper sichtbar zu machen. Viele Tierhalterinnen und Tierhalter fragen sich jedoch: Ist Röntgen für meinen Hund oder meine Katze gefährlich?
Röntgenaufnahmen nutzen eine geringe Menge sogenannter ionisierender Strahlung, um Bilder aus dem Körperinneren zu erzeugen. Knochen erscheinen dabei hell, Weichteile in Grautönen. In der Tiermedizin werden Röntgenstrahlen gezielt und nur dann eingesetzt, wenn sie für die Diagnose notwendig sind (Thrall, 2018).
Als allgemeiner Grundsatz, ionisierende Strahlen (wie Röntgenstrahlen) können theoretisch Zellen schädigen. Bei sehr hohen oder häufigen Dosen besteht ein erhöhtes Risiko für Zellveränderungen oder Krebs (Bushberg et al., 2012).
Strahlenexposition wirkt kumulativ, das heisst, mehrere Untersuchungen addieren sich im Laufe des Lebens. Deshalb vermeiden Tierärztinnen und Tierärzte unnötige Wiederholungen und dokumentieren frühere Röntgenaufnahmen sorgfältig.
Dank moderner digitaler Röntgentechnik ist die benötigte Strahlendosis heute deutlich geringer als früher (Widmer & Thrall, 2015). Selbst bei mehreren Untersuchungen bleibt das Risiko für die meisten Tiere sehr gering.
Manche Tiere müssen für eine Röntgenaufnahme ruhig gehalten oder leicht sediert werden. Sedierungen gelten als sicher, können aber – wie jede medizinische Massnahme – geringe Risiken bergen, insbesondere bei älteren oder vorerkrankten Tieren (Grimm et al., 2015).
Gleichzeitig kann eine Sedierung helfen, Stress zu reduzieren und Wiederholungsaufnahmen zu vermeiden, was wiederum die gesamte Strahlenbelastung senkt.
Viele Strahlenschutzmassnahmen (Bleischürzen, Handschuhe, Abstand) dienen in erster Linie dem Schutz des tiermedizinischen Personals, das regelmässig mit Röntgenstrahlen arbeitet. Diese Vorsichtsmassnahmen bedeuten nicht, dass die Untersuchung für Ihr Tier gefährlich ist (Bushberg et al., 2012).
Tierarztpraxen folgen dem sogenannten ALARA-Prinzip (As Low As Reasonably Achievable): Die Strahlendosis wird so niedrig wie möglich gehalten, ohne die Bildqualität zu beeinträchtigen (Widmer & Thrall, 2015).
Dazu gehören:
• moderne digitale Röntgengeräte
• möglichst wenige, gezielte Aufnahmen
• gute Lagerung des Tieres
• Röntgen nur bei medizinischer Notwendigkeit
👉 Röntgenuntersuchungen verwenden sehr geringe Strahlendosen
👉 Das Risiko für Ihr Haustier ist äusserst gering
👉 Moderne Technik reduziert die Belastung weiter
👉 Der diagnostische Nutzen überwiegt fast immer potenzielle Risiken
Wenn Ihre Tierärztin oder Ihr Tierarzt eine Röntgenaufnahme empfiehlt, geschieht dies, um Ihrem Tier bestmöglich helfen zu können. Zögern Sie nicht, nachzufragen, warum die Untersuchung sinnvoll ist und wie die Sicherheit Ihres Tieres gewährleistet wird.
Referenzen:
1. Thrall DE. Textbook of Veterinary Diagnostic Radiology. 7. Auflage, Elsevier, 2018.
2. Widmer WR, Thrall DE. Radiation safety and protection in veterinary medicine. Veterinary Radiology & Ultrasound, 2015.
3. Bushberg JT et al. The Essential Physics of Medical Imaging. 3. Auflage, Lippincott Williams & Wilkins, 2012.
4. Grimm KA et al. Veterinary anesthesia and analgesia. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice, 2015.